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Quantitative Bewertung von Start-ups durch qualitative Analyse

veröffentlicht am 09. April 2018
Mag.  Günter Holl von Mag. Holl Günter
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„Valuation is an art, not a science“ – dies trifft umso mehr zu, wenn es sich um die Bewertung von Start-ups handelt. Während man sich bei der Bewertung von etablierten Unternehmen auf Analysen von Vergangenheitsdaten sowie Branchen-, Konjunktur- und Konkurrenzprognosen stützen kann, ist dies bei Start-ups meist nicht oder kaum möglich. Die Quantität und Qualität jener Informationen, die Aufschluss über die mögliche Zukunft des Unternehmens geben können, ist stark begrenzt. Wie bewertet man nun ein Unternehmen, dessen zukünftige Entwicklung nahezu unvorhersehbar ist?

Unabhängig vom gewählten quantitativen Bewertungsverfahren stellt eine Planrechnung über die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens die Basis für jede Unternehmensbewertung dar. Diese gilt es zu plausibilisieren.

Entscheidend für die Plausibilisierung der Planrechnungen von Start-ups ist eine intensive Analyse jener Faktoren, die für den Erfolg eines Start-ups maßgeblich sind:

  • Markt und Marktwachstum
  • Produkt und Geschäftsmodell
  • Gründer-Team

Während die Kosten für den Unternehmensaufbau und das geplante Wachstum mit ausreichender Erfahrung und Branchenkenntnissen durchaus kalkulierbar und nachvollziehbar sind, ist die Schätzung des geplanten Umsatzes bei Start-ups, wie eingangs erwähnt, mehr Kunst als Wissenschaft. Es gilt, ein tiefes Verständnis für den relevanten Markt aufzubauen, um die geplanten Umsätze des Start-ups plausibilisieren zu können. Entscheidend hierfür sind insbesondere die Größe des relevanten Marktes und dessen geschätztes Marktwachstum, der Innovationsgrad des Produktes/der Dienstleistung sowie die bestehende Konkurrenzsituation.

Während die Analyse des Marktes eine Aussage über das Umsatzpotential ermöglicht, entscheidet das geplante Geschäftsmodell, ob dieses Potential auch entsprechend genutzt werden kann. Die Skalierungsfähigkeit ist ein wesentliches Kriterium für das weitere Wachstum von Start-ups. Ohne ein ausreichend durchdachtes Geschäftsmodell ist auch das beste Produkt nicht skalierungs- und damit oftmals auch nicht überlebens- und wachstumsfähig.

Das dritte maßgebliche Kriterium ist der Faktor Mensch. Das Gründer-Team stellt das Rückgrat des Unternehmens dar und muss die wesentlichen Fähigkeiten abdecken, die für den Aufbau des Unternehmens und zur Verwirklichung des Geschäftsmodells notwendig sind. Kreativität, Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen sowie ein gewisses wirtschaftliches Verständnis sind nur einige wenige Beispiele hierfür.

Natürlich sind neben diesen Faktoren noch viele weitere Einflussgrößen, wie etwa die Akzeptanz des Marktes oder eine ausreichende Kapitalausstattung, für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend. Eine plausible Unternehmensbewertung berücksichtigt und prüft all diese und viele weitere Faktoren, um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen.

Eine Möglichkeit, an die Aufgabe der Plausibilisierung und Validierung der Planung heranzugehen, ist eine Kombination aus einer Top-Down sowie einer Bottom-Up Betrachtung unter Berücksichtigung der Ergebnisse der qualitativen Analyse.

Eine Top-Down Betrachtung geht vom adressierbaren Gesamtmarkt aus und schätzt über den zu erwartenden Marktanteil die dafür notwendigen Ressourcen des Unternehmens. Auf diese Weise werden schnell zu geringe (z.B. Personalkosten) oder auch fehlende Kosten und Investitionen sichtbar.

Die Bottom-Up Betrachtung geht wiederum den umgekehrten Weg. Anhand der geplanten Kapazität des Unternehmens sowie eines Preis-Mengen-Gerüstes können die zukünftigen Umsätze des Unternehmens ermittelt und so die geplanten Umsätze plausibilisiert werden.

Beide Ansätze dürfen sich bei korrekter Anwendung nicht widersprechen und eignen sich ausgesprochen gut zur Plausibilisierung der vom Management übermittelten Planung und der dahinterstehenden Annahmen.

Dies sind nur beispielhaft einige wenige Möglichkeiten durch qualitative Analyse die Unzulänglichkeit der bestehenden Daten zu überbrücken. Die Schwierigkeit besteht schlussendlich darin, qualitative Analysen in die Plausibilisierung der Planrechnung, die naturgemäß quantitativ ist, einfließen zu lassen. Dies erfordert Erfahrung, Branchenkenntnis, aber oft auch Gespür für die Zusammensetzung erfolgreicher (Gründer-)Teams.

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